Forschungsprojekt regionale Ernährungssouveränität
angesichts wachsender Versorgungs-Risiken durch globale Lieferketten und Klimawandel







Staatliche Kantinen sind verpflichtet, bis 2025 mindestens 50 % regionale oder ökologische Lebensmittel einzusetzen. - Dieses Ziel wurde verfehlt.
Ein weiteres Ziel ist die Ausweitung auf kommunale Einrichtungen wie Kitas, Schulen, Krankenhäuser und Pflegeheime bis 2030.
Dieses Ziel wird unterstützt durch das Landesprogramm BioRegio Bayern 2030.
Bayerischer Ministerratsbeschluss vom 13. Januar 2020
Stärkung gesunder und regionaler Ernährung
Das Projekt RESIBA - Food-Resilient Bayern adressiert die drängenden Herausforderungen der fortschreitenden Industrialisierung, Zentralisierung und Marktkonzentration unseres Ernährungssystems, die zu einem massiven Höfesterben und dem Verlust regionaler Verarbeitungsstrukturen geführt haben.
Das gegenwärtige System ist zum einen hochgradig krisenanfällig gegenüber globalen Lieferkettenrisiken und es ist zum anderen einer der Haupttreiber des Klimawandels mit seinen heute schon teils katastrophalen Folgen, da es bis zu 37% zu den weltweiten Treibhausgasemissionen beiträgt.
Während politische Beschlüsse für regionale und gesunde Waren in öffentlichen Einrichtungen ambitionierte Ziele setzen, scheitert die Umsetzung in der Praxis oft an strukturellen Hürden wie fehlender Logistik, mangelnden Lagerkapazitäten und der Schwierigkeit, Kleinstmengen für Großabnehmer effizient zu bündeln.
Die primären Ziele des Projekts werden demgemäß in der Stärkung der regionalen Ernährungssouveränität und -sicherheit liegen. Dabei geht es vor allem auch um die praktische Unterstützung von Kommunen bei der Umsetzung politischer Vorgaben, insbesondere des bayerischen Ministerratsbeschlusses, bis 2030 einen Anteil von 50% regionaler oder biologischer Erzeugung in öffentlichen Einrichtungen zu erreichen.
Das Projekt wird die wirtschaftliche Tragfähigkeit regionaler Logistiklösungen untersuchen und die spezifische Umsatzschwelle zu identifizieren, ab der sich solche Strukturen ohne dauerhafte Förderung eigenständig tragen können. Langfristig sollen dadurch Abhängigkeiten gemindert, der ökologische Fußabdruck gesenkt und vielfältige, mittelständische Agrar- und Handwerksstrukturen in Bayern erhalten werden.

(© wenphotos)
Die Akteur*innen
Das Forschungsteam im transdisziplinären Netzwerk setzt sich aus der OHM - TH Nürnberg am Standort Neumarkt - und dem Ernährungsrat Oberfranken e.V. zusammen. Während die wissenschaftliche Federführung bei der OHM liegt, moderiert der Ernährungsrat Oberfranken die Dialogprozesse zwischen Erzeugern und Abnehmern als Systemintermediär.
Projektverantwortung OHM: Prof. Dr. Tobias Gaugler
Tobias Gaugler forscht und lehrt an der Fakultät Betriebswirtschaft im Studiengang Management in der Ökobranche. Er befasst sich insbesondere mit interdisziplinärer Nachhaltigkeitsforschung mit Fokus auf True Cost Accounting.
Projektverantwortung Ernährungsrat Oberfranken: Dr. Julia Marx
Julia Marx ist Vorständin im Ernährungsrat, wissenschaftliche Mitarbeiterin in der Stadt- und Regionalentwicklung von Prof. Dr. Miosga an der Universität Bayreuth sowie Mitglied im Forum 1,5 Grad und Transition Haus Bayreuth.
Weitere Akteur*innen, beispielsweise von Kantinen und Großküchen, Logistikdienstleistern und weiterverarbeitenden Betrieben, Behörden und Kommunen sollen eingebunden werden.
Die Technische Hochschule Nürnberg Georg Simon Ohm ist mit rund 13.000 Studierenden ist eine der bundesweit größten Hochschulen für angewandte Wissenschaften.
Am Ohm Sustainability Campus in Neumarkt, Oberpfalz wird in Studium, Forschung & Transfer im Austausch mit Unternehmen, Organisationen, der Kommune und Gesellschaft vor Ort, in der Metropolregion Nürnberg und weit darüber hinaus an Lösungen für eine nachhaltige Ernährungs- und Ressourcenwirtschaft gearbeitet. Das Campus-Reallabor zur Erprobung und Umsetzung nachhaltiger Wirtschafts- und Gesellschaftsmodelle, insbesondere nachhaltigen und resilienten Ernährungssystemen lebt von Kooperation und Integration aller Stakeholder.
Der wissenschaftliche Ansatz
Der geografische Rahmen des Projekts erstreckt sich über vier strategisch gewählte Fokusregionen in unterschiedlichen bayerischen Regierungsbezirken, die ein breites Spektrum räumlicher Strukturen abdecken:
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Großraum München mit der neu entstehenden Ökomodellregion München West und dem Münchener Land
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Metropolregion Nürnberg
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Regensburg
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Bezirk Oberfranken
Die Auswahl der Regionen erfolgte nach verschiedenen Größenklassen, um übertragbares Modellwissen für kleine, mittlere und große Gebietskörperschaften zu generieren und die Anwendbarkeit der Ergebnisse auf diverse räumliche Kontexte in ganz Bayern sicherzustellen.
Durch einen transdisziplinären Reallabor-Ansatz aus wissenschaftlicher Leitung und etablierten Praxispartnern sollen wissenschaftliche Erkenntnisse direkt in die Praxis überführt werden. Die zentrale Wirkungsweise liegt in der Durchführung von Realexperimenten, wie dem Aufbau digitaler B2B-Handelsplattformen mit integrierter Logistik, um die Inkompatibilität zwischen Erzeugern und der Außer-Haus-Verpflegung zu überwinden. Dabei agieren Ernährungsräte als Systemintermediäre, die durch ihre Netzwerke den Zugang zu Akteuren beschleunigen und die Aushandlungsprozesse moderieren. Durch die Verbindung von Potenzialanalysen mit konkreten Vernetzungsmaßnahmen werden regionale Wertschöpfungsräume geschaffen, die nicht nur die ökologische Belastung senken, sondern auch die regionale Resilienz gegenüber künftigen Krisen stärken.

Unsere Stiftung
Nach unserem Verständnis ist Bildung das zentrale Ziel zum Begreifen der globalen Auswirkungen unseres Handelns und gelebte Nachhaltigkeit im Sinne der SDGs ist die zentrale Voraussetzung für unser Überleben auf diesem Planeten.
Wir setzen uns dafür ein, dass dieses Projekt zustande kommt, um eine gesunde und gesicherte Ernährung für einen möglichst breiten Anteil der Bevölkerung zu gewährleisten - insbesondere die Außer-Haus-Verpflegung sehen wir hier als großen Hebel.
Wir sind davon überzeugt, dass dieses Projekt durch seinen transdisziplinären Reallabor-Ansatz wissenschaftliche Erkenntnisse direkt in die Praxis überführen kann.
Wir sehen, dass besonders die geplante gezielte Untersuchung der wirtschaftlichen Tragfähigkeit von großer Bedeutung ist, damit sich regionale Logistiklösungen ohne dauerhafte Förderung eigenständig tragen können.
Der Ernährungsrat Oberfranken versteht sich als Treiber, Motor und Moderator der Ernährungswende in Oberfranken. Sein Ziel ist es, ein resilientes, gerechtes und gemeinwohlorientiertes Ernährungssystem in Oberfranken zu etablieren, das saisonale und regionale Lebensmittel aus fairer und ökologischer Herstellung fördert. Dazu bringt er Akteure aus der ganzen Lebensmittelwertschöpfungskette an einen Tisch, von Landwirtschaft über Lebensmittelhandwerk, Einzelhandel, Gastronomie, Gemeinschaftsverpflegung und Verbraucher. Gleichzeitig bildet er die Koordinierungsstelle entstehender kommunaler Ernährungsräte und Initiativen in Oberfranken.

